Artikel in der LZ: Beim Inklusiven Stadtfest in Lemgo war Mitmachen angesagt

Nur mal eben vorbeischauen – damit ist es nicht getan. Das merkten die Besucher beim Inklusiven Stadtfest sofort. Hier war Mitmachen angesagt, und das war dank einer großen Vielfalt an Aktionen wirklich jedem möglich. Und die Lemgoer und ihre Gäste waren eifrig dabei. Die Mittelstraße, der Marktplatz und die Wälle waren gut gefüllt.

„Wir Menschen sehen alle eine Sonne“, dieses Zitat des Japan-Forschers Engelbert Kaempfer (1651-1716) war das Motto des Festes. Besagte Sonne war nach dem Regen der vergangenen Tage tatsächlich für alle zu sehen. Auch das, da waren sich die Organisatoren einig, hat zum großen Erfolg des Tages beigetragen.

Die Vereine und Institutionen der Stadt haben so einiges auf die Beine gestellt. Musik erklang von allen Ecken, riesige Seifenblasen flogen über die Köpfe der Besucher, auf dem Marktplatz wurde getanzt und gesungen. Richtig sportlich ging es bei der Familiade zu, wo Gruppen aus unterschiedlichen Generationen bestehen musten, um die „Weltreise“ mitmachen zu können. An den Stationen der Lemgoer Vereine gab es verschiedene Aufgaben zu lösen, bei denen auch Geschick gefragt war. Etwa wenn es darum ging, verschieden große Bälle von einem Tuch in unterschiedliche Eimer zu sortieren. Nebenan stand Tennis auf dem Programm, Mutige konnten auf dem Trampolin springen.

Neben vielen Bastelaktionen, Kinderschminken und Zöpfe flechten hatten sich die Veranstalter auch Ungewöhnliches einfallen lassen. Beim barrierefreien Klettern konnten sich die Besucher im Sitzen in die Höhe eines Baumes hochziehen lassen – das einzige Handicap, das da ein Problem sein konnte, war Höhenangst. Anschließend luden Liegestühle auf dem Wall zum Ausruhen aus.

Musikalisch war das Fest bereits am Vorabend eingeläutet worden. Die Red Cadillac Band, die Band Stopprock und die Gustav Peter Wöhler Band spielten live. Nach einem Gottesdienst unter freiem Himmel startete das Stadtfest dann am Sonntag ohne die befürchteten Regengüsse. Und auch hier gab es auf vier Bühnen ganz viel Musik, Tanz- und Sportvorführungen. In der Mittelstraße lud ein kleiner Kunsthandwerker-Markt zum Bummeln ein. Besucher konnten am Stand der Hochschule OWL im Rennwagen des OWL-Racing-Teams probesitzen oder den „Wahlomat“ in Form großer Stellwände nutzen, um sich eine Meinung für die kommende Bundestagswahl zu bilden – ein Angebot der VHS.

Köpfchen war auch am Stand der Liemer Lilie gefragt; der Dienstleister rund ums Grün, ein Integrationsunternehmen der Stiftung Eben-Ezer, hatte einen riesigen Kürbis mitgebracht. Schätzfrage: Wie viel wiegt er wohl? Etliche Besucher gaben ihre Tipps ab. Schließlich brachte die Waage die Lösung: 41 Kilogramm. Ganz nah dran war der Tipp von Hilde Koch. Die Herforderin kennt sich aus mit dem beliebten Herbstgemüse: „Ich habe schon viele Kürbisse zubereitet“, sagt sie lachend. Als Preis gab es dann auch einen Kürbis, aber in einer etwas handlicheren Größe.

Auf dem Marktplatz tanzten die kleinen Gäste zum Mitmach-Musical „Fabulara“ mit dem Entertainer Yogi, der die Zuschauer mit Tänzern des Tanztreffs Hey und der Lemgoer Grundschulen in die Welt der Phantasie entführte. Und dort ging es mit der integrativen Märchenkantate „Der Garten des Riesen“ auch direkt weiter. Hier waren ebenfalls Schulen, die Musikschule Lemgo, die Lebenshilfe und Eben-Ezer beteiligt. Das ganze Fest war die Leistung einer vielseitigen Gemeinschaft.

Lippische Landes-Zeitung, © 10.09.2017